Mittwoch, 13. Oktober 2010

Oliver Deseife vs. Wüstenrot

Es war der letzte Akt in einer harten Auseinandersetzung. Nach dem üblichen Vorgeplänkel ging es dann zur Sache. Will heißen...um das Geld.

Der Senat war bemerkenswert zusammengesetzt. Ein Richter der sich scheinbar mit Aktenbergen mühte und sich beruflich wohl auf der Zielgeraden befindet. Er würde bei mir gut und gerne als Opa meiner nicht vorhandenen Kinder durchgehen. Dabei darf man sich nicht täuschen lassen, wenn er ebenso gedankenverloren und ziellos während der Verhandlung in den Akten blätterte. Seine Zwischenfragen und Erläuterungen ließen keine Missverständnisse zu.

Dann der zweite Beisitzer: ein junger Richter am OLG bei dem man mit jedem Atemzug spüren konnte, dass er es verdient auf diesem Stuhl zu sitzen. Er hat kaum gesprochen. Sich kaum geäußert, aber wenn, dann hat auch er zu erkennen gegeben was er von der Sache hält. Messerscharf. Während der Verhandlung wurde ich zwei Mal angesprochen ob er denn den Schlaf des Gerechten halten würde. Und in der Tat...zeitweise sah es tatsächlich danach aus als ob der markante Kopf jeden Moment auf seine Brust fallen würde. Aber Zweifel gab es bei mir nie. Dieser Richter mag zwar den Eindruck des friedlich Schlafenden gemacht haben, aber er war glockenwach und in jeder Sekunde des Verfahrens voll bei der Sache.

Und dann der Vorsitzende selbst. Hager und mit schütterem Haar durch das er sich in Momenten der Stille schnell mit der Hand durchfuhr. Ein Mann mit Humor der seine Meinung bereits vor der Verhandlung hatte. Und auch wenn die Anwälte meinten sie müssten Sachverhalte wiederholt vorbringen ließ er fast unmerklich durchblicken dass er die Akten durchaus studiert hatte. Es war nicht der erste Vorsitzende der mir begegnete bei dem man ganz nebenbei an einigen Äußerungen entnehmen konnte, dass er die Akten blind vor und rückwärts kannte.

Die Richter haben durch die Bank in aller Deutlichkeit klar gemacht was sie von der Sache halten und wie sie sie einschätzen. Dabei haben sie das Kunststück fertig gebracht das mögliche Ende für beide Seiten "ergebnisoffen" zu halten um die Spannung auf die Parteien aufrecht zu erhalten. Eine Spannung die an diesem Tag zu einem Ende führen sollte. Die Parteien mussten nun nur noch abklären in wie weit sie Federn lassen wollen. Ausloten wo die Grenzen liegen und der Senat hat das Seine dazu getan den dazu notwendigen Druck auszuüben, bzw. eine Entscheidungshilfe zu geben, was sich etwas netter anhört.

Lässt man die ganzen juristischen Hakeleien einmal weg die Laien ohnehin nicht beurteilen können...was bleibt dann noch übrig?

Es ging darum eine fristlose Kündigung in eine ordentliche umzuwandeln, damit der Betroffene Oliver D. seinen beruflichen Weg fortsetzen kann und die unheilvolle Verbindung mit seinem ehemaligen Arbeitgeber gelöst wird. Ein Abschluss der einen Neuanfang in diesem Gewerbe möglich macht.

Zieht man dann eine ordentliche Kündigung in Betracht, dann geht es selbstverständlich auch um Geld. Einen finanziellen Ausgleich. Dabei ging es um einen sachlichen Ausgleich dem man nahe kommen wollte. Vor allem von Seiten des Gerichtes.

Einen Ausgleich für verlorene Jahre, Jahre voller Sorgen, Aufregung und Kummer kann man sich nicht bezahlen lassen. Aber es gibt durchaus ein Form der Gerechtigkeit wenn ein Arbeitgeber eine fristlose Kündigung in eine ordentliche umwandeln muss.

Es gibt ein altes chinesisches Sprichwort das besagt: "man muss nur lange genug am Ufer sitzen, dann sieht man die Leichen seiner Feinde vorüber treiben." Für das was Oliver Deseife erleben und erdulden musste mag es ein Trost sein dass das Schicksal selbst eine Form der Gerechtigkeit herstellt.

Formal mag es vorbei sein. Höchstleistungen die Oliver Deseife für sein Unternehmen erbrachte kann er nun für sich und seine Familie erbringen und ich denke er hat Kraft und Ausdauer genug sich hier eine gute Scheibe vom Kuchen zum Vorteil seiner zukünftigen Kunden zu sichern.

Ich möchte aber diesen Post nicht beenden ohne noch einmal kurz auf juristische Vertretung von Oliver Deseife einzugehen. Ein Mann der zu jedem Zeitpunkt des Verfahrens immer auf der Höhe war. Ein Anwalt der sachlich so gut vorbereitet war um zu jeder Zeit und an jedem Punkt des Verfahrens Contra zu geben, wie ich es noch selten erlebt hatte. Ruhig und doch immer bestimmt. Nie unsicher. Und obwohl auch Anwälten an einem Vergleich gelegen ist, ließ er auch erkennen, dass er sich für seinen Mandanten zur Not auch durch alle Instanzen kämpfen wird. Er kommt nicht aus dem Gerichtsbezirk von Stuttgart. Dadurch ist er in gewisser Weise auch "unabhängig". Ein Rechtsanwalt dessen Name man sich in der Umgebung von Stuttgart merken sollte. Herrn Rechtsanwalt De Bondt. Er hat eine ganz souveräne Leistung zum Besten seines Mandanten abgeliefert die mir meinen ganzen Respekt abnötigte.




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